“Es gibt zwei Arten von Schmerz…” - Der Anstoß zu Veränderungen


Niemand von uns möchte Schmerzen empfinden.

 

Viele Schmerzen erscheinen uns sinnlos oder ungerecht. Wir empfinden dann Trauer, Wut, Verletzung, Zurückweisung…

 

Aber es gibt auch Schmerzen, die uns stark machen (können).

 

2016 war ich nach wie vor Student, hatte noch keinen Job in Aussicht, meine finanzielle Lage wurde zusehends schwieriger und mir war im Grunde völlig unklar, wohin die Reise meines Lebens gehen sollte. In mir herrschte ein emotionales Chaos aus Hoffnungen, Wünschen, Befürchtungen und Ängsten.

 

Ich erreichte den Punkt, an dem mir klar wurde: Jetzt muss etwas geschehen. Es war gar nicht mehr wichtig, was genau im Einzelnen, sondern nur noch, dass etwas geschah.

 

Die simple Entscheidung, einmal einen anderen Weg einzuschlagen, führte dazu, dass ich meinem Kung-Fu-Meister begegnete, mit Wing Tsun begann, Bewerbungen schrieb, meine Finanzen ordnete und zunehmend eine Richtung für mich erkannte.

 

Kurz: Ich wurde aktiv, wenn auch in kleinen Schritten.

 

Der Grund: Ich konnte und wollte die bisherige Situation nicht mehr akzeptieren. Der Schmerz, den ich damit verband, war zu groß geworden. Ich fühlte mich klein, unfähig und völlig orientierungslos. Zugleich spürte ich das Verlangen, etwas aus mir zu machen und dass es mir gelingen müsse, mein Leben in die richtigen Bahnen zu lenken. Ich wollte (und will) nicht im Leben scheitern.

 

Zustands- und Veränderungsschmerz

 

Diese Art von Schmerz, die ich soeben beschrieben habe, nenne ich Zustandsschmerz. Sein Gegenstück ist der Veränderungsschmerz - diesen empfinden wir angesichts einer bevorstehenden Veränderung, die uns ängstigt oder verunsichert, weil wir spüren, dass diese Veränderung unangenehm sein wird und wir Gewohntes loslassen müssen.

 

Chris Guillebeau schreibt dazu in seinem Buch “Die Kunst anders zu leben”:

 

“Der mit einer Veränderung verbundene Schmerz muss geringer sein als der Schmerz, den es Ihnen bereitet, Ihre jetzige Situation noch länger zu ertragen.” (3. Kapitel)

 

Nach seiner Überzeugung werden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas in unserem Leben verändern, wenn der Zustandsschmerz größer ist als der Veränderungsschmerz. Und umgekehrt, werden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit wenig bis nichts ändern, wenn der Veränderungsschmerz größer ist als der Zustandsschmerz.

 

Schon vor 2016 spürte ich, dass der Tag kommen würde, an dem ich einige

Entscheidungen für mein weiteres Leben würde treffen müssen. Doch der Schmerz, den ich damit verband, war größer. Ich hatte es mir nett eingerichtet im Fernstudium, genoss die Annehmlichkeit, zuhause zu lernen und mich zeitlich und räumlich absolut frei zu bewegen.

 

Über allem hing jedoch das Damoklesschwert der notwendigen Veränderung, nämlich eines Tages dieses Studium zu beenden, einen Beruf zu ergreifen und dann so zu leben wie es von mir erwartet würde: mit einem regulären Job, Arbeitskollegen, Verantwortung...

 

Warum dieser Schmerz?

 

Auch darauf hat Guillebeau eine Antwort. Er schreibt:

 

“Die Angst vor Veränderungen ist am allergrößten [neben Angst vor Erfolg und Angst vor Misserfolg, meine Anm.]. Wenn wir einen großen Sprung wagen, wissen wir, dass unser Leben hinterher wahrscheinlich anders sein wird als vorher - egal, was passiert. Viele Menschen fürchten sich vor diesem Sprung.” (3. Kapitel)

 

Und genau so ging es mir.

 

Schmerzen ertragen lernen

 

Erst wollte ich den empfundenen Schmerz ertragen (und mir ein Stück weit darin gefallen, dass ich ein stiller Dulder war). Tatsächlich ist dies in manchen Situationen erforderlich, weil wir sie nicht auf Anhieb verändern können. Beispielsweise ein unangenehmes Gespräch, das unseren Magen zusammenziehen lässt, oder eine körperliche Anstrengung beim Sport.

 

Diese Dinge müssen wir mit uns selber ausmachen und in der Regel gelingt uns das. Der Schmerz, um den es mir hier geht, ist weitaus größer und tiefgreifender. Er umfasst unsere gesamte Existenz und Lebensweise. Wenn er so groß wird, dass wir es nicht mehr aushalten, dann haben wir den Anstoß, eine nachhaltige Veränderung zu beginnen. Aber...

 

Veränderung um der Veränderung willen?

 

Sind Veränderungen immer gut? Das kommt darauf an.

 

Ich glaube, dass wir nichts verändern sollten nur um der Veränderung willen. Ein guter Indikator für Veränderungen sind unsere Träume und Visionen. Frage dich:

  • Wie lebe ich jetzt?
  • Wie möchte ich leben?
  • Was wäre ein kleiner, erster Schritt in diese Richtung?

Dabei dürfen wir zu unseren Wünschen offen stehen. Andere Menschen haben andere Wünsche, aber alle Wünsche sind heilig. Und wenn du zufrieden mit dir und deinem Leben bist: super! Du darfst dich glücklich schätzen.

 

Für Chris Guillebeau ist eine wichtige Motivation zur Veränderung, dass er seine Lebenszeit auf Erden nutzen will (ähnlich Hal Elrod, Autor des Buchs “The Miracle Morning”). Er will über den Standard hinauswachsen und seine Leser ebenfalls dazu motivieren:

 

“Wenn Schlafwandeln die ‘Realität’ eines unbedeutenden Durchschnittslebens ist, besteht die einzig sinnvolle Alternative darin, sich in die lebendige Welt der Abenteuer zu stürzen. Betreten Sie diese lebendige Welt ruhig; sie steht allen Menschen offen, die bereit sind, das Leben als jenes Abenteuer willkommen zu heißen, das es in Wirklichkeit ist.”

(1. Kapitel)

 

In diesem Sinne: Lass uns den Mut fassen, etwas zu probieren, unser Leben aktiv zu gestalten und eine Veränderung zu bewirken, die uns und anderen Menschen nützt!

 

Alles Gute!

 

Dein Christian

 

P.S.: Was ist deine Meinung zum Thema “Schmerz” und “Veränderung”? Veränderst du gerne Dinge in deinem Leben oder liebst du Beständigkeit und Konstanz? Hinterlasse mir gern einen Kommentar!

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